Pierre-Alain Gimmel bei der Arbeit als Polier auf der Eberli Baustelle.

Die gesuchte Herausforderung bei EBERLI gefunden

Pierre-Alain Gimmel

OYM heisst das einzigartige Kompetenzzentrum für Spitzenathletik und Forschung, das im Frühling 2020 eröffnet wurde und in den nächsten Jahren den Schweizer Spitzensport verändern wird. Dabei waren Spitzenleistungen des EBERLI-Bauteams rund um Polier Pierre-Alain Gimmel auf der Grossbaustelle in Cham gefragt.

Das Bauvolumen war mit 149 000 Kubikmetern gewaltig. Noch nie wurde in der Schweiz ein Spitzensport-Leistungszentrum dieses Ausmasses realisiert. Zum Vergleich: Ein durchschnittliches Einfamilienhaus bringt es auf 120 bis 150 Kubikmeter. Theoretisch haben im OYM tausend herkömmliche Einfamilienhäuser Platz. Hier den Überblick zu behalten, war keine einfache Aufgabe, zumal auf dieser Baustelle alles eine Nummer grösser erschien. «Das war alles halb so wild», beschwichtigt Polier Pierre-Alain Gimmel und liefert die Begründung gleich nach: «Mein Team war vom ersten Tag an mit der Baustelle gewachsen.»

Das OYM beherbergt unter einem Dach eine hochspezialisierte Infrastruktur für sportartenunabhängiges Athletiktraining, kombiniert mit interdisziplinärer Forschung sowie modernsten Sport-Performance-Flächen. Für Pierre-Alain Gimmel war das OYM mehr als bloss eine Baustelle: «Es ist schon fast eine Ehre, dass ausgerechnet ich mit meinem Team diesem für den Schweizer Sport wegweisenden Gebäude den handwerklichen Stempel aufdrücken konnte.» Ende April 2020 hatte er nach gut 16 Monaten Bauzeit seine Zelte in Cham wieder abgebrochen. «Das OYM», ist der Polier überzeugt, «wird in meiner beruflichen Laufbahn einen besonderen Platz einnehmen.»

Pierre-Alain Gimmel bei der Arbeit als Polier auf der Eberli Baustelle.
In den Adern fliesst Eberli-Blut

Der ausgeprägte Urner Dialekt verrät die Herkunft von Pierre-Alain Gimmel. Dabei arbeitet er nun bereits seit einem Vierteljahrhundert bei Eberli und hat deshalb den Wohnsitz längst von Silenen nach Kerns verlegt. «Es war die Herausforderung, die mich über 25 Jahren zur Firma Eberli verschlagen hat. Gesucht wurde ein Polier für eine Grossbaustelle in Luzern. Ich fühlte mich in diesem familiären Betrieb vom ersten Tag an zu Hause. «Und ja», gesteht der zweifache Familienvater, «seit mehr als zwei Jahrzehnten fliesst in meinen Venen ganz viel Eberli-Blut.» Für Pierre-Alain Gimmel ist eine starke Identifikation mit dem Unternehmen sehr wichtig. Wenn man sich wohlfühle, sei man auch zu Höchstleistungen bereit, ist er überzeugt. Seine Einstellung scheint auch auf die ihm zugeteilten Mitarbeitenden abzufärben. «Das Team ist so etwas wie meine zweite Familie.» Sagt es und liefert den Beweis gleich nach: «Auch in unserer Freizeit unternehmen wir ab und zu gemeinsam etwas.»

Pierre-Alain Gimmel bei der Arbeit als Polier.
Sport als Erholung

Flink wie ein Wiesel bewegt sich Pierre-Alain Gimmel auf den Baustellen. Wie viele Meter er täglich abspult, weiss er nicht. Fit ist der Mann auf jeden Fall. Die Fitness holt er sich auch in seiner Freizeit. Mehrmals in der Woche geht er ins Schwimmtraining und ist Mitglied in einer Master-Schwimmgruppe. Und wenn er nicht gerade beim Schwimmen ist, rennt er einen Berg hinauf oder spult mit dem Velo Kilometer ab. «Hätte es damals schon die Sportart gegeben, wäre ich wohl ein Triathlet geworden.» Für Pierre-Alain Gimmel ist die sportliche Betätigung der perfekte Ausgleich zu seinem Beruf. «Bei dieser Tätigkeit kann ich abschalten. Die Baustelle und auch das Handy sind dann weit weg.» Ist er ein Bewegungsjunkie? «Ja, ich glaube schon», kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen. Der Sport und die damit zusammenhängende Bewegung, das wird im weiteren Gespräch klar, spielen in der ganzen Familie Gimmel eine wichtige Rolle. Und die Berge. Hier fühlt er sich zu Hause. Sei es auf Schusters Rappen bei einer Bergtour oder auf einer rasanten Passfahrt mit seinem schweren Motorrad. «Diese Aktivitäten geben mir das Gefühl von Freiheit.»

Pierre-Alain Gimmel bei der Arbeit als Polier auf der Eberli Baustelle.
Abwerbung zwecklos

Als Leistungszentrum schien das OYM für den Aktivsportler Pierre-Alain Gimmel geradezu prädestiniert zu sein. Allerdings nicht so recht dazu passen wollten seine Fanartikel des HC Ambri-Piotta, zumal das wegweisende Kompetenzzentrum für Spitzenathletik und Forschung vom EV-Zug-Präsidenten Hans-Peter Strebel initiiert und auch finanziert wurde. «Ich habe die höchste Achtung davor, was Hans-Peter Strebel mit dem OYM auf die Beine stellt. Aber deswegen werde ich nicht zum Überläufer. So wie für den Bauherrn der EV Zug, ist für mich der HC Ambri-Piotta eine Herzensangelegenheit.» Hans-Peter Strebel musste schnell einmal einsehen, dass der Eberli-Polier einen harten Urner Schädel hat und sämtliche Abwerbungsversuche zum EV Zug zwecklos waren. «Umso schöner waren dann die Diskussionen nach einem Gotthard-Derby. Diese Gespräche werde ich schon etwas vermissen.»

Verschiedenste Herausforderungen gemeistert

Nach 31 Jahren engagierter Tätigkeit bei EBERLI tritt Pierre-Alain Gimmel 2025 in die vorzeitige Pensionierung (FAR) ein. In dieser langen Zeit stellte er sich zahlreichen Herausforderungen – so auch auf der Baustelle in Cham, die 2020 fertiggestellt wurde. Ob das aufwendige Ausgiessen der unzähligen Stahlträger im OYM aus Feuerschutzgründen oder das anspruchsvolle Schalen und Betonieren der Tribünen: Gimmel packte jede Aufgabe mit grossem Engagement an. Besonders die Vielzahl an sichtbaren Betonflächen im OYM verlangte dem gesamten Team viel Präzision und Können ab. «Die Umsetzung solcher Spezialitäten macht unseren Beruf erst interessant», sagte er einst. Kein Wunder, dass er sich nie einen anderen Beruf vorstellen konnte.

Das sind wir