Sara Weltsch
Buchhalterinnen und Buchhalter werden schnell schubladisiert, sie seien staubtrocken und wehe, ein Schreibgerät stehe nicht genau am vorgesehenen Platz. Wer solchen Clichés aufsitzt, kennt aber Sara Weltsch und ihren «Hasler-Humor» noch nicht.
«Die Clichés, welche die Buchhalter anziehen wie das Licht die Motten, stimmen bei mir nicht.» Dies ist doch gleich mal eine Ansage ohne Wenn und Aber. Sara Weltsch, eine gebürtige Haslitalerin, die im Oktober ihr 10-Jahre-Jubiläum bei EBERLI feiert, ist keine Frau, die um den heissen Brei herumredet. Sie weiss, was sie will, und hat klare Ziele vor Augen. Wird es ihr mal zu viel, findet sie in der Natur ein Ventil, wo sie Dampf ablassen kann.
Dass Sara Weltsch bei EBERLI landete und geblieben ist, hat viel mit dem familiären Umfeld des Unternehmens zu tun. Denn Büroarbeit war eigentlich nie ihr Ziel, Physiotherapeutin schon eher. Doch um dorthin zu gelangen, musste sie zuerst eine Berufslehre absolvieren. In der Handelsschule begeisterte sich Sara Weltsch für die Fächer Rechtskunde und Buchhaltung. Und plötzlich war der ursprüngliche Berufswunsch weit weg. «Dafür fand ich jetzt das Rechnungswesen spannend.» Also doch ein Bürojob für die quirlige und bewegungsliebende junge Frau.
Auch wenn Sara Weltsch seit einigen Jahren nicht mehr in ihrer ursprünglichen Heimat, dem Haslital, wohnt, kann sie ihre Herkunft nicht ganz verbergen. Da dringen immer wieder ein paar Brocken «Haslidiitsch» durch. Es war dann aber nicht der sympathische Dialekt der Haslitaler, sondern ihre Fachkompetenz, die sie die buchhalterische Karriereleiter bei EBERLI hochsteigen liess. «Ich stelle hohe Ansprüche an mich selbst», sagt Sara Weltsch von sich. Die richtige Mischung zwischen Ehrgeiz und eigenem Wohlbefinden zu finden, ist so nicht immer einfach.
Als passionierte Alpinistin weiss sie nur zu gut, dass es manchmal einen Umweg braucht, um ans Ziel zu kommen. Rückblickend sieht sie es als weisen Entscheid, nun in der Abteilung Bau dafür zu sorgen, dass die Zahlen richtig verbucht werden. «Entgegen meinen ursprünglichen Bedenken ist es mir bisher nie langweilig geworden. Und ja», fügt sie gleich an, «als eine der wenigen Frauen im männerdominierten Team der Bauabteilung fühle ich mich wohl und spüre überhaupt keinen Geschlechterunterschied.» Und wenn dem einmal doch so wäre, hätte Sara Weltsch garantiert die passende Antwort parat.
Die Freiheit gefunden
Für Sara Weltsch ist der Ausgleich zum Berufsalltag wichtig. Den findet die 42-Jährige in der Natur und seit 2016 auch dort, wo «normale» Wanderer nicht hingehen – auf Hochgebirgstouren. «Ja, man darf mich als Bergziege bezeichnen.» Vor fünf Jahren hat ein guter Freund Sara Weltsch auf eine hochalpine Tour auf den Mönch mitgenommen. Ein Erlebnis mit Nachwirkungen. Auf dem Südostgrat sind sie aufgestiegen. Über Felsriegel und Granitpartien erreichten sie den ersten Firnrücken. Die Luft wurde dünner. Das Atmen fiel schwerer, als sie den Vorgipfel erreichten. Der Hauptgipfel des 4107 Meter hohen Mönchs war zum Greifen nahe. Nur noch der fast horizontale Ostgrat lag vor ihnen, und so bezwang Sara Weltsch Schritt für Schritt ihren ersten Viertausender. «Da stand ich also auf meinem ersten Gipfel über 4000 Höhenmeter. Der Blick schweifte umher und fasste im Unterbewusstsein bereits neue Gipfelziele ins Visier.» Mit dem Eiger folgte zwar kein Viertausender, aber ein weiterer Gipfel des legendären Dreigestirns im Berner Oberland, der bei ihr einiges auslöste. Man kann es auch als Virus bezeichnen, von dem die heute in Sachseln lebende Frau ergriffen wurde. «Seit dem Erlebnis Eiger bedeutet für mich das Unterwegssein in den Bergen ein Stück Freiheit.»
Seit Sara Weltsch denken kann, fordert sie von sich selbst viel. Das ist so geblieben. «Aber nicht mehr überfordern. Ja», räumt sie ein, «seit ich der Leidenschaft Hochgebirgstouren nachgehe, bin ich demütiger geworden und durchaus bereit, kurz vor einem Gipfel umzukehren, wenn die Verhältnisse für mich nicht mehr stimmen.» Dank der Hochgebirgstouren hat sich Sara Weltsch auch besser kennengelernt. Zum Beispiel, «dass man viel mehr kann, als man sich selbst zutraut.» Hier zieht die Frau, die sich vor wenigen Jahren noch vieles, nur nie einen Job im Büro vorstellen konnte, eine Parallele zum Berufsalltag: «So wie am Berg gerät man im Berufsleben in Situationen, in denen man seine eigenen Fähigkeiten unterschätzt und am Ende dann doch eine Lösung für das Problem findet und es auf die Reihe kriegt.»
Eine Erkenntnis, die Sara Weltsch für ihre Tätigkeit beim Eberli-Bauteam als sehr nützlich einstuft. Und ja, ab und zu sollte man auch die Seele baumeln lassen können. Sie kann es etwa, wenn sie ein feines Essen mit einem schönen Glas Wein in netter Umgebung und Gesellschaft geniesst oder sich Ruhe in den eigenen vier Wänden gönnt und sich in ein gutes Sachbuch vertieft. «Ich verbringe meine Freizeit lieber mit dem Lesen eines guten Buches. Deshalb sucht man in meiner Wohnung vergeblich nach einem Fernsehgerät.» Heilig ist Sara Weltsch auch die Zeit mit ihren Gottenkindern. Für sie geht das Gottisein weit über das übliche Mass hinaus. «Zeit mit meinen Gottenkindern zu verbringen, ist die beste Therapie, um herunterzufahren und zur Ruhe zu kommen», beteuert Sara Weltsch mit strahlenden Augen und einem riesengrossen Smile auf ihrem Gesicht, was weitere Worte überflüssig macht.