Kempinski Palace Engelberg
Vor einem Jahr hat die Eberli AG das Bauwerk «Kempinski Palace Engelberg» an die Bauherrschaft Han’s Europe AG übergeben. Die erste Sommersaison hat nun gezeigt, dass das Hotel sämtliche Erwartungen an das Gästeerlebnis und die Betriebsabläufe vollumfänglich erfüllt. Grund genug, jetzt den Handwerkern Danke zu sagen.
Über Monate gingen täglich bis zu 150 Handwerker auf der Baustelle des «Kempinski Palace Engelberg» ein und aus. Erst durch sie und ganz viel handwerkliches Know-how aus der Zentralschweiz ist das Hotel zu dem geworden, was es heute ist – ein touristischer Leuchtturm mit Strahlkraft weit über die Landesgrenzen hinaus. Vor gut einem Jahr hat die Eberli AG aus Sarnen als Totalunternehmerin nach einer Bauzeit von viereinhalb Jahren den Bau offiziell an die Bauherrschaft übergeben. Es sei ein emotionaler Moment gewesen, blickt Alain Grossenbacher, CEO der Eberli AG, zurück. In den Hintergrund getreten waren an diesem Tag die vielen Rückschläge in Form von Einsprachen und Planänderungen. Kurz nach der Bauübergabe übernahm das Management der Kempinski-Hotelgruppe das Zepter, und am 25. Juni 2021 nahm das erste 5-Sterne-Hotels in Engelberg seinen Betrieb auf.
Der lange Weg
Für Thomas Dittrich von der die Bauherrschaft vertretenden Han’s Europe AG ist klar, dass es ohne die Eberli AG heute immer noch kein 5-Sterne-Hotel in Engelberg gäbe. «Unzählige Projekte wurden gewälzt, um schliesslich in irgendeiner Schublade zu verschwinden. Dabei waren die Grundvoraussetzungen für die Realisierung eines Hotels auf dem Areal des Kurparks in Engelberg aus raumplanerischer Sicht und auch gemäss dem geltenden Baureglement gegeben.» Aber irgendwie bissen sich dann alle die Zähne aus, wenn es darum ging, Nägel mit Köpfen zu machen. «Auch die Eberli AG musste Lehrgeld bezahlen», erinnert sich Alain Grossenbacher. Denn das im Jahre 2007 im Rahmen eines Architekturwettbewerbs erkorene Siegerprojekt hatte mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen. Andere Projektinitianten hatten unter den schwierigen Voraussetzungen jeweils das Handtuch geworfen. Nicht so Eberli: Hier hatte man die Notwendigkeit eines 5-Sterne-Hotels in Engelberg längst erkannt und dessen Realisierung als grosse Chance eingestuft. Ganze elf Jahre verstrichen von der ersten Planung bis zum Spatenstich am 4. April 2016. Vom ersten Tag an waren die Vorstellungen klar definiert, wie das Hotel dereinst aussehen sollte. «Nach der ersten Sommersaison haben wir nun die Gewissheit, dass das vom gesamten Projektteam ausgefeilte Konzept für den Betrieb des Hotels und die bautechnische Umsetzung alle Erwartungen erfüllen», sagt Thomas Dittrich zufrieden.
Unkonventionelle Lösungen
Weit über 200 vorwiegend aus der Zentralschweiz stammende Handwerksbetriebe haben den Hotelbau erst ermöglicht. «War im letzten Jahr wegen Corona eine Feier zum Dankesagen mit diesen Betrieben nicht möglich, war es nun an der Zeit, dies nachzuholen», so die beiden CEOs der Totalunternehmerin und der Bauherrschaft. Und obwohl erst ein Jahr vergangen ist, war öfter der Ausspruch «Weisch nu?» zu vernehmen. Etwa dann, als sich das Gespräch um die Realisierung der Parkfläche für 140 Fahrzeuge zwei Etagen tief unter dem gewachsenen Terrain drehte. Denn dort unten war man auf die Spuren des vor 15 000 Jahren erfolgten Bergsturzes gestossen. Leitfähige Kiesschichten wechselten sich innerhalb weniger Meter mit wasserstauenden Lehmschichten ab. Wurde eine solche Lehmschicht perforiert, gelangte das Grundwasser unkontrolliert an die Oberfläche. Ein ausgeklügeltes System mit Rückgabebrunnen musste zur Aufrechterhaltung des ganzen Grundwasserhaushalts erstellt werden. Unkonventionelle Lösungen waren gefragt, die in keinem Lehrbuch standen. Das praxiserprobte Team der Eberli AG machte indes das Unmögliche möglich. Der historische Kursaal blieb ebenso intakt wie das in den Neubau integrierte Hotel Europäischer Hof aus dem Jahre 1905. Dass beide Objekte unter Denkmalschutz stehen, bot eine zusätzliche Herausforderung. Historische Bausubstanz zu erhalten und mit moderner Technik sanft zu erneuern, ist eine der Stärken von Eberli. Dass das Unternehmen dabei auch mal ungewohnte Wege einschlug, etwa bei der Sanierung der historischen Gipsdecken im ehemaligen Festsaal und im Schillersaal, ist gerade bei solch heiklen Renovationsarbeiten der Beweis für die hohe Fachkompetenz und Beherrschung des Handwerks.
Nach den Fundationsarbeiten und der Realisation der Untergeschosse ging alles sehr schnell. In Etappen wurde der Hochbau hochgezogen. Eine weitere Herausforderung stellte der Überbau des Kursaals dar, der zugleich den historischen Hotelteil mit dem Neubau verband. Die Baufortschritte waren fast täglich sicht- und erlebbar. Auch die letzten Skeptiker sahen nun, dass die Destination Engelberg mit dem neuen Hotel vor einem touristischen Quantensprung stand. Mit der Entfernung des ersten Teils des Baugerüsts noch vor Weihnachten 2019 wurde erstmals der Blick auf die Fassade des neuen Hotelteils frei. Was zuvor lediglich auf Visualisierungen erahnt werden konnte, bestätigte sich nun: Der neue Hotelkomplex präsentierte sich zusammen mit dem bestehenden und umfangreich renovierten Jugendstilhotel Europäischer Hof als städtebauliche, architektonische und betriebliche Einheit. Mit seiner klassischen Gliederung in Sockel, Mittelbau und Dach führt der Bau die architektonische Tradition der grossen Luzerner Hotelbauten um 1900 fort. Wer heute das fein gegliederte Ensemble betrachtet, spürt förmlich die logistische Meisterleistung und Detailversessenheit der Gesamtbauleitung unter der Führung von Eberli, die für die Koordination der über 150 auf der Baustelle ein und aus gehenden Handwerker verantwortlich war.
Neue touristische Zeitrechnung
«Mit der Eröffnung des Hotels hat in Engelberg eine neue touristische Zeitrechnung begonnen. Alle am Projekt beteiligten Unternehmen und Partner können mit Stolz auf das Geleistete zurückblicken», bilanziert Thomas Dittrich mit Genugtuung. Die kleinen wie die grossen Rückschläge sind nun definitiv Geschichte. «Ich bin froh», räumt Alain Grossenbacher ein, «dass wir den Fokus und den unerschütterlichen Glauben an dieses für Engelberg so wichtige Projekt nie verloren haben.» Die Realisatoren und die Bauherrschaft sind sich einig, dass das neue 5-Sterne-Hotel nicht nur der Volkswirtschaft in Engelberg, sondern in der ganzen Region Zentralschweiz einen weiteren Schub verleihen wird.
Die ungewöhnliche Baugeschichte mit einem historischen Rückblick auf die touristisch glanzvollen Zeiten des Hotels Europäischer Hof ist nun auch als Buch erhältlich. Es bietet auf 136 Seiten einen kursorischen Überblick über die einzelnen Bauetappen und illustriert sie mit vielen Fotos. Entstanden ist das Buch im Auftrag der Eberli AG in Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft Han’s Europe AG und der Kempinski Hotels S.A. Autor ist Beat Christen aus Engelberg, für die Grafik verantwortlich war Jan Schweizer von der Fuchs Design AG in Stansstad. Der Druck des Buches erfolgte in der Druckerei Odermatt AG in Dallenwil. Das Buch kann bei Patricia Andri von der Eberli AG in Sarnen zum Preis von 35 Franken bezogen werden.