Die Natur als Baupartnerin
Eine neue Überbauung und Biodiversitätsförderung passen eigentlich nicht zusammen. Dass es auch anders geht, zeigt das Quartier «Südbreite» in Alpnachstad. Die Stiftung Natur & Wirtschaft hat es als erstes Wohnareal in Obwalden zertifiziert.
Und es geht doch. Der Bau des neuen Wohnquartiers «Südbreite» auf dem Areal der ehemaligen Rösslimatt in Alpnachstad hat den Beweis erbracht: Bauen und gleichzeitig die Biodiversität fördern ist möglich. Als erstes Wohnareal im Kanton Obwalden wurde das von der Eberli AG realisierte neue Wohnquartier «Südbreite» in Alpnachstad von der Stiftung Natur & Wirtschaft zertifiziert.
Darüber freut sich einer ganz besonders: Alain Grossenbacher, CEO und Inhaber der Eberli AG. Dabei hatte er sich am Anfang der Geschichte ganz weit aus dem Fenster hinausgelehnt: «Meine Hypothese, dass eine grüne Mastwiese über eine geringere Biodiversität verfüge als eine Überbauung auf der gleichen Fläche mit dem Fokus auf der Förderung der Biodiversität war vielleicht gewagt, aber interessant.» Das fand auch sein damaliger Gesprächspartner Beat von Wyl, und so sah sich der Biologe aus Giswil herausgefordert. Den Worten folgten Taten. «Je mehr wir uns mit dem Thema Biodiversität auseinandergesetzt haben, umso mehr stellten wir fest», so Alain Grossenbacher, «dass sogar im bebauten und städtischen Raum vieles möglich ist. Vorausgesetzt, dass man von Anfang an die richtigen Partner und Planer involviert.»
Bildlegende: Reto Locher von der Stiftung Natur & Wirtschaft überreicht Alain Grossenbacher das Zertifikat.
Bei der Wohnüberbauung «Südbreite» wurde vom ersten Planungsschritt an die Natur als «Baupartnerin» miteinbezogen. Einfach machte es die Umgebung den Planern nicht. Da waren die zwei auf den ersten Blick harmlosen, bei einem Gewitter aber schnell zu Wildbächen anschwellenden Gewässer. Die direkte Nachbarschaft zur Eisenbahnlinie und zur Autobahn wäre ein weiterer Grund gewesen, die Flinte ins Korn zu werfen. Doch Alain Grossenbacher gefiel das von Beat von Wyl entwickelte Konzept. «Nicht gegen die Natur, sondern mit ihr soll gebaut werden», lautete fortan das Motto und verlangte von den Investoren, Entwicklern, Architekten und Landschaftsarchitekten der neuen Überbauung, bisherige Denkmuster aufzugeben.
Die Schaffung zusätzlicher Grünräume reicht nicht aus, wenn sie nicht miteinander vernetzt sind und nicht gepflegt werden. Beim Rundgang durch die in der Zwischenzeit fertiggestellte und von den Eigentümern und Mietern belebten Überbauung weist Alain Grossenbacher immer wieder auf eigens geschaffene Lebensräume für eine breite Vielfalt an Lebewesen hin: Sie reicht von Kleinsäugern über Vögel und Insekten bis hin zu Mikroorganismen. «Für den Erhalt der Artenvielfalt und die Gesundheit und Lebensqualität der Bewohner der ‹Südbreite› braucht es mehr Platz für Pflanzen und Bäume. Sie sorgen», unterstreicht Alain Grossenbacher, «für Abkühlung. Die Blätter der Bäume verdunsten Wasser und kühlen dadurch die Umgebungsluft ab. Gleichzeitig sind sie willkommene Schattenspender.» Bei der Wahl der Baumarten wurde zudem darauf geachtet, dass sie im Zuge des Klimawandels auch in fünfzig Jahren noch eine Lebensgrundlage in der «Südbreite» vorfinden.
Feierliche Zertifikatsübergabe
Am 28. Juni 2024 fand eine kleine Feier zur offiziellen Übergabe des Zertifikats durch die Stiftung Natur & Wirtschaft statt. Gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der «Südbreite» wurde auf die Übergabe angestossen. Auf einem geführten Rundgang erklärten die Experten der Stiftung die wertvollen Lebensräume und die Vorzüge des ausgezeichneten Areals.
Das pulsierende Treiben in Luzern geniessen. Sich Zuhause und in der Natur erholen – beides ist möglich, dank der perfekten Lage des Quartiers südbreite. Auf dem 8048 m² grossen Grundstück Rösslimatt in Alpnachstad entstanden fünf Einfamilienhäuser und 34 Wohnungen mit 2,5- bis 5,5-Zimmern.
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